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Studie belegt dramatische Finanznot der Kliniken


[DKG-/Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag mbH Meldung - Düsseldorf, Montag 13.11.2023]

 


46. Deutscher Krankenhaustag - Eröffnungspressekonferenz / Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI)


Die Kliniken sehen sich wie nie zuvor mit riesigen Herausforderungen durch Demografie, Personalmangel und Finanznöte konfrontiert. Dies erfordert mehr denn je effiziente Strukturen in der stationären Versorgung zu schaffen. Für die dazu nötigen Reformen besteht eine hohe Veränderungsbereitschaft bei den Kliniken“, erklärte der Kongresspräsident des Deutschen Krankenhaustages, PD Dr. Michael A. Weber, zugleich Präsident des Verbands leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK), bei der Eröffnungspressekonferenz des diesjährigen Krankenhaustages. Gleichzeitig erwarteten die Kliniken von der Politik Antworten auf die Frage, wo die Perspektiven liegen, und Unterstützung für den nötigen enormen Transformationsprozess. „Wir erleben aber, dass unsere Gremien ausgegrenzt und die in den Kliniken geleistete Arbeit schlechtgeredet werden. Zusätzlich streiten sich die Akteure in Bund und Ländern und setzen die Kliniken einem hohen finanziellen Druck aus. Wenn sich hier nicht rasch etwas ändert, wird aus dem jetzigen Personalmangel eine Personalflucht und aus der Strukturreform ein unstrukturiertes und unkontrolliertes Krankenhaussterben auch systemrelevanter Standorte. Damit wird eine Reform der aktuellen Strukturen konterkariert“, warnte Weber.


Ingo Morell, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), forderte einen vollen Inflationsausgleich für die Kliniken, um die klaffende Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben wieder zu schließen und die Insolvenzgefahr zu bannen. Wie dramatisch die Situation ist, belegt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI).



Krankenhaus-Index_-_Herbstumfrage_2023
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"Die Kliniken stehen demnach vor großen finanziellen Belastungen durch die Weihnachtsgelder. Zwar werden nahezu alle Häuser die Weihnachtsgelder pünktlich und in vollem Umfang zahlen. Aber 80 Prozent sehen, dass sich die Liquiditätslage stark verschärfen wird, und 60 Prozent können die Zahlungen nicht aus vorhandenen Mitteln leisten, sondern brauchen Zuschüsse, entweder vom Träger oder Kredite von den Banken, in einigen Fällen sogar beides“, warnte Morell.


Dass die Maßnahmen des Bundes für eine bessere Liquidität nicht ausreichend seien, zeigt sich auch. Nur sechs Prozent der Kliniken erwarten, dass sich die Lage durch die Erhöhung des Pflegeentgeltwertes verbessern wird, immerhin 23 Prozent erwarten dies durch die schnelle Zahlung der Pflegebudgets. Aber mehr als drei Viertel sehen keinen positiven Einfluss. Nur sehr wenige Kliniken erwarten, dass sich durch die Maßnahmen ihr Insolvenzrisiko relevant reduziert. Die Auswirkungen auf die Versorgung werden ebenfalls in dieser Umfrage deutlich. 23 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser werden den Leistungsumfang (z.B. Verschiebung planbarer Operationen) reduzieren müssen, 42 Prozent das Leistungsangebot (z.B. vorübergehende Schließung einzelner Stationen). 49 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser und 50 Prozent der Psychiatrien sehen sich gezwungen, Personal abzubauen. Acht bzw. zehn Prozent sehen die Schließung von Standorten als zwingend an. „Und 90 Prozent der Kliniken nennen die nicht referenzierten Kostensteigerungen als maßgebliche Hauptursache ihrer Probleme, sogar noch weit vor dem Fachkräftemangel“, so der DKG-Präsident.


Dr. Sabine Berninger, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) Südost, machte deutlich, dass der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wirksame Maßnahmen erfordert. „Digitalisierung und Zuwanderung aus dem internationalen Raum werden in der Pflege nur begrenzt Abhilfe schaffen. Damit Anwerbung und Bindung in der Pflege überhaupt gelingen, müssen wir unsere Hausaufgaben machen“, forderte die Pflegedirektorin des KJF Klinik Josefinum. Dazu gehöre, die vorhandenen und brachliegenden Kompetenzen der Pflegefachpersonen zu nutzen und zu steigern sowie der Pflege mehr Eigenständigkeit und Verantwortung zuzutrauen. Gleichzeitig müsse eine höhere Quote akademisch qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht werden. Vor diesem Hintergrund begrüßte Berninger das beschlossene Pflegestudiumsstärkungsgesetz, das die Finanzierung von dualen primärqualifizierenden Studiengängen sichert. Berninger hob zudem die Bedeutung der Vernetzung von ambulanter Versorgung, Krankenhausversorgung, Rehabilitation und Langzeitpflege hervor. „Hier liegt ein Schlüssel, damit eine Krankenhausreform in Deutschland gelingen kann“, so die Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen Deutschlands und des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe.


Nach der Corona-Pandemie, einer massiv gestiegenen Inflation ohne hinreichenden Inflationsausgleich, den anstehenden Tariferhöhungen und einer seit Jahrzehnten zu niedrigen Investitionsförderung trifft es viele Häuser jetzt besonders hart. So darf es nicht weitergehen“, erklärte Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Zwar sei eine Krankenhausreform für die Zukunftsfähigkeit der Patientenversorgung in Deutschland unbestritten und notwendig. Der VKD hätte bereits auf dem Krankenhaustag 2019 ein „Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus“ gefordert. Bislang sei davon allerdings wenig in Gesetzesform angekommen. Düllings forderte, die Landesbasisfallwerte und Psychiatrieentgelte systematisch an die tatsächlichen Kostensteigerungen bei den Betriebskosten anzupassen und eine bedarfsgerechte Finanzierung der Investitionskosten. Zudem sei die Entbürokratisierung durch Abbau von Überregulierung und die Bekämpfung des Fachkräftemangels entscheidend. Auch müsse die Digitalisierung weiter gestaltet und staatlich finanziert werden. „Nach internationalen Erfahrungen ist dies ein Prozess von über zehn Jahren“, machte der VKD-Präsident deutlich.


Klinikvertreter und Politik werden im Rahmen der Auftaktveranstaltung des 46. Deutschen Krankenhaustages sowohl die aktuellen Entwicklungen als auch die Anforderungen für den Kliniksektor und die Erwartungen der Krankenhäuser für die laufende Legislaturperiode debattieren. „Zeitenwende für Krankenhäuser“ lautet das Motto des Kongresses, der vom 13. bis 16. November 2023 im Rahmen der weltweit größten Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf stattfindet. Die Teilnahme von Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach und des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann an der Auftaktveranstaltung unterstreichen die herausragende Bedeutung der Kliniken für die Gesundheitswirtschaft.


Am 13. November können alle Interessierten ab 12 Uhr vor Ort in Düsseldorf oder per Livestream unter www.deutscher-krankenhaustag.de die Auftaktveranstaltung und die anschließende Diskussionsrunde mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, CDU, Prof. Dr. Armin Grau, Mitglied des Gesundheitsausschusses, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, und mit dem Sprecher für Krankenhauspolitik der Bundestagsfraktion Die Linke, Ates Gürpinar, verfolgen.


Die Besucher des Deutschen Krankenhaustages können sich an den vier Kongresstagen auf spannende Debatten mit hochkarätigen Referenten aus Politik, Kliniken, Krankenkassen und Wissenschaft freuen. Der diesjährige Kongresspräsident PD Dr. Michael A. Weber wird die breite Themenpalette des Kongresses im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung vorstellen. Ein weiteres Highlight ist die Veranstaltung „Finanzierung im Krankenhaus“ unter der Leitung der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Prof. Dr. Henriette Neumeyer am Montagnachmittag. Die Besucher erwartet ein hochkarätiges Expertenforum für Information und Diskussion rund um die zukünftige Klinikvergütung.


Der Deutsche Krankenhaustag dient einmal mehr auch als Plattform für einen Erfahrungsaustausch und Diskussionen rund um die Pflege im Krankenhaus unter der Leitung von Dr. Sabine Berninger, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) Südost und Pflegedirektorin der KJF-Klinik Josefinum. Es werden in den Sessions aktuelle Fragen wie „Wer braucht welche Krankenhausversorgung?“ oder „Welche pflegerischen Kompetenzen braucht das Krankenhaus der Zukunft?“ intensiv diskutiert. Unter dem Motto „Moderne Medizin – Zeitenwende in der Medizin?“ greift das VLK-Symposium unter Leitung von Kongresspräsident PD Dr. Michael A. Weber neueste Entwicklungen im Bereich der Intensiv-, Notfall- und Transplantationsmedizin am dritten Kongresstag auf. Ein wissenschaftliches Symposium in Kooperation mit dem German Medical Award liefert am Nachmittag fachlichen Input für Medizinerinnen und Mediziner und damit auch Fortbildungspunkte. Am vierten Kongresstag haben die Besucher Gelegenheit, sich intensiv mit dem Thema „Zeitenwende für die Krankenhäuser“ vor allem aus Sicht der Praktiker, der Manager von Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen zu informieren. Im Zentrum dieses Tages stehen beispielsweise die Finanzierungsreform der Kliniken und die Frage, ob damit immer die richtigen Prioritäten gesetzt werden, die Dr. Josef Düllings, Präsident Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands, in seinem Vortrag aufgreifen wird. Darüber hinaus stehen Themen wie die aktuelle Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen oder Gegenwart und Zukunft der Krankenhausversorgung in Europa auf dem Tagungsprogramm.



Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V. / Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag mbH


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