Kliniken befürchten deutlich steigende Defizite ab Herbst
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[DKG - Berlin, Donnerstag, 19.03.2026]
DKG zur wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt eindringlich vor einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage aller Krankenhäuser ab dem Herbst. 70 Prozent der Krankenhäuser schreiben schon jetzt rote Zahlen, ein Drittel ist von Insolvenz bedroht. Diese Schieflage belastet zunehmend auch die steuerfinanzierten Kommunalhaushalte und verhindert dringend notwendige Investitionen in die sonstige kommunale Infrastruktur. Dazu erklärt der Vorstandsvorsitzende der DKG Dr. Gerald Gaß:
„Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist sehr ernst. Die Zahl der negativen Bilanzen ist noch immer auf einem Rekordniveau, vielen Krankenhäusern droht die Insolvenz. Insgesamt klafft derzeit eine Lücke von 10 Milliarden Euro zwischen den Einnahmen und den Ausgaben für die Patientenversorgung Mit dem Wegfall des teilweisen Inflationsausgleichs im November wird sich diese Situation noch einmal verschärfen. In Summe werden den Kliniken dann zusätzlich 4 Milliarden Euro für die Patientenversorgung fehlen. Bislang hat die Bundesregierung kein Konzept entwickelt, wie diese Einnahmeausfälle abgefedert werden sollen. Schon jetzt sind von Insolvenzen besonders Krankenhäuser in ländlichen Regionen betroffen. Viele von ihnen sind oftmals die einzigen Anlaufpunkte für die Gesundheitsversorgung und müssen mit ihren Notaufnahmen und Ambulanzen vielerorts sogar den wegbrechenden niedergelassenen Sektor ersetzen. Die Bundesregierung muss nun schnell einen Weg finden, den auslaufenden Rechnungszuschlag zu ersetzen.
Mit der Umsetzung der Krankenhausreform drohen zudem weitere Einschränkungen in den kommenden Jahren: Viele Patientinnen und Patienten werden dann aus kleinen Grundversorgern in größere Kliniken umgesteuert. Da aber die Vorhaltekosten der Krankenhäuser nach wie vor nicht fallzahlunabhängig refinanziert werden, geraten auch bedarfsnotwendige Grundversorger in eine zusätzliche Schieflage. Die schon jetzt hohe Zahl der Klinik-Insolvenzen bildet dabei aber noch lange nicht das Gesamtbild ab. Die in die Schieflage geratenen Krankenhäuser werden massiv von ihren Trägern gestützt, die die Defizite aus eigenen Mitteln ausgleichen müssen. Das belastet nicht nur private und konfessionelle Betreiber, sondern vor allem auch die Kommunen. Diese müssen vielerorts systemisch verursachte Mindereinnahmen der Krankenhäuser aus den steuerfinanzierten Kommunalkassen ausgleichen. Der Deutsche Landkreistag spricht in diesem Zusammenhang von 5 bis 6 Milliarden Euro. Die Kommunen stehen damit vor der Entscheidung, ob sie mit ihren stark begrenzten Mitteln Schulen, Kindergärten, Schwimmbäder, den Nahverkehr und andere kommunale Infrastruktur finanzieren oder die Krankenhausversorgung sicherstellen. Die Bundesregierung ist nun dringend gefordert, ein Konzept für den Herbst 2026 und danach zu erarbeiten. Leider hat sie mit der kürzlich verabschiedeten Reform der Krankenhausreform viele offene Finanzierungsfragen nur weiter in eine ungewisse Zukunft verschoben. Die Folgen dieser Vertagungspolitik tragen derzeit Krankenhausträger, Kommunalfinanzen und zunehmend die Patientinnen und Patienten.“
Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V.


