Krankenhäuser fordern mehr Prävention
- kgsh
- vor 15 Stunden
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[DKG - Berlin, Mittwoch, 11.02.2026]
DKG zu alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen
Wie seit Jahren vermeldet das Statistische Bundesamt auch 2025, dass die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen in Deutschland gesunken sei. Mit 283.500 Fällen 2024 hat sich deren Anzahl im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2012 in etwa halbiert. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht darin das Ergebnis von deutlich weniger Alkoholkonsum vor allem bei jüngeren Menschen. Sie verweist aber auf den im internationalen Vergleich nach wie vor weit überdurchschnittlichen Alkoholkonsum in Deutschland und die Bedeutung von Prävention für die individuelle Gesundheit und ein leistungsstarkes sowie leistbares Gesundheitssystem. Dazu erklärt der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß:
„Dass die Zahl der alkoholbedingten Behandlungen weiter sinkt ist ein gutes Zeichen. Wir sehen hier ganz konkret die Auswirkungen von weniger Alkoholkonsum vor allem in jüngeren Altersgruppen. Für die um die Jahrtausendwende und danach Geborenen ist Alkohol kein selbstverständlicher Teil des Lebens mehr. Der Trend zu Nullprozent-Partys und alkoholfreien Bars wirkt sich ganz konkret auf die Fallzahlen in den Krankenhäusern aus. Vor allem zeigt es uns aber, dass man mit Prävention ein Gesundheitssystem, das allein durch demografischen Wandel und medizinischen Fortschritt immer aufwendiger wird, gut von unnötigen und kostenintensiven Behandlungen befreien kann. Trotz der sinkenden Zahlen bleibt Deutschland im weltweiten Vergleich aber ein Alkohol-Problemland. Die Europäische Union ist die Region mit dem höchsten Alkoholkonsum der Welt, und in Deutschland wird noch einmal deutlich mehr konsumiert als im Durchschnitt der EU. Und in noch einer Sache weicht Deutschland vom EU-Schnitt ab: Alkohol ist bei uns besonders billig zu haben und besonders leicht verfügbar. Fünf Euro reichen in Deutschland aus, um sich eine lebensgefährliche Alkoholvergiftung antrinken zu können. Alkohol steht zumindest bei älteren Generationen selbstverständlich auf dem Tisch, sobald Menschen zusammenkommen. Dabei zeigt ein Blick in die europäische Statistik, wie es besser geht, wie Alkoholismus-Zahlen und die Folgen für das Gesundheitssystem verringert werden können: Die niedrigsten Konsumzahlen finden sich in Griechenland und Italien, wo bewusst mit Alkohol umgegangen wird, und in Schweden und Finnland, wo ein staatliches Alkoholmonopol für hohe Preise und geringere Verfügbarkeit sorgt. Während sich die deutsche Politik in Sachen Sozialstaat und Gesundheitswesen mit wenig konstruktiven Kürzungsvorschlägen profiliert, bleibt der Aspekt Prävention unberührt. Das Problem unseres Gesundheitswesens ist nicht der hohe Standard und die flächendeckende Versorgung unabhängig vom Geldbeutel der Menschen. Es ist zu einem großen Teil mangelnde Prävention, die die Beitragszahler immer wieder mit vermeidbaren Behandlungen und deren Kosten belastet. Beim Thema Alkohol ist die deutsche Politik genauso in der Verantwortung wie bei anderen Substanzen, etwa Zucker und Tabak, die viel zu oft zu chronischen Erkrankungen und frühzeitigem Tod führen. Wir müssen endlich ernsthaft statt über Kürzungen und Leistungseinschränkungen für die Versicherten über Steuern, Verfügbarkeitsverringerung und über unseren gesellschaftlichen Umgang mit schädlichen Substanzen diskutieren.“
Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V.


