Strahlentherapie kann gefährliche Herzrhythmusstörungen deutlich verringern
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[Mitglieder-Bericht 059/2026, Kiel, Montag, 27.04.2026]

STOPSTORM-Studie zeigt neue Behandlungsoption für schwer kranke Patientinnen und Patienten auf – UKSH und CAU leiten europaweite Untersuchung
Eine hochpräzise Strahlentherapie kann bei schwer kranken Patientinnen und Patienten mit lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen die Zahl solcher Anfälle deutlich senken. Das zeigt die erste größere prospektive europäische Registerstudie zur sogenannten stereotaktischen Arrhythmie-Radioablation (STAR), deren Ergebnisse jetzt im European Heart Journal veröffentlicht wurden. Geleitet wird das europäische STOPSTORM-Konsortium von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).
Die Behandlung richtet sich an Menschen mit ventrikulären Tachykardien, also schweren Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern. Diese können zum plötzlichen Herztod führen und sind mit wiederkehrenden Eingriffen des implantierten Defibrillators, Krankenhausaufenthalten und einer stark eingeschränkten Lebensqualität verbunden. Die in der Studie erfassten Patientinnen und Patienten hatten trotz leitliniengerechter Behandlung weiter anhaltende Rhythmusstörungen und kamen für eine weitere medikamentöse Behandlung oder einen Eingriff mit einem Herzkatheter (Katheterablation) nicht mehr infrage.
Deutlich weniger Rhythmusstörungen nach der Behandlung
In der jetzt veröffentlichten Zwischenanalyse wurden 193 Patientinnen und Patienten aus 28 Zentren in Europa ausgewertet. Damit liefert die Studie erstmals ein größeres europäisches Bild zu dieser bislang nur an vergleichsweise kleinen Fallzahlen untersuchten Behandlung. Bei 107 auswertbaren Personen mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten verringerte sich die Zahl der gefährlichen Ereignisse mit Herzrasen aus den Herzkammern nach der Behandlung im Durchschnitt um 80 Prozent im Vergleich zu den sechs Monaten davor. Von den Patientinnen und Patienten, die mindestens sechs Monate überlebten, blieben 72 Prozent nach der Behandlung frei von Schocks durch ihren implantierten Defibrillator.

„Für eine Patientengruppe mit fortgeschrittener Herzerkrankung und sehr begrenzten Behandlungsmöglichkeiten sind das wichtige Ergebnisse“, sagt PD Dr. Oliver Blanck, Koordinator des STOPSTORM-Konsortiums an der Klinik für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel. „Wir sehen, dass die Zahl der gefährlichen Rhythmusstörungen und auch die Zahl belastender Defibrillator-Schocks nach der Behandlung deutlich zurückgehen kann.“
Hinweise auf ein beherrschbares Sicherheitsprofil
Auch die Sicherheit der Behandlung wurde untersucht. In der gesamten Kohorte von 193 Patientinnen und Patienten wurden zwölf schwerwiegende Nebenwirkungen als möglicherweise oder wahrscheinlich behandlungsbedingt eingestuft. Behandlungsbedingte Todesfälle wurden nicht beobachtet. Zugleich betonen die Autorinnen und Autoren der Studie, dass es sich um eine sehr schwer erkrankte Patientengruppe mit insgesamt hoher Sterblichkeit handelt.
Enge Zusammenarbeit von Kardiologie, Rhythmologie und Strahlentherapie
STAR ist eine nicht-invasive Behandlungsoption. Dabei erfolgt der Eingriff nicht über einen Katheter im Herzen, sondern mithilfe einer einmaligen hochpräzisen Bestrahlung des krankheitsauslösenden Areals. Dafür arbeiten Kardiologie und Strahlentherapie besonders eng zusammen. „STOPSTORM gibt auch der Zusammenarbeit bislang eher getrennter Fachgebiete neue Impulse“, sagt Blanck. „Kardiologie, Rhythmologie und Strahlentherapie entwickeln hier gemeinsam eine neue Option für Menschen mit sonst kaum beherrschbaren Herzrhythmusstörungen.“
Prof. Dr. Roland Tilz, Direktor der Klinik für Rhythmologie, Campus Lübeck, ergänzt: „Für ausgewählte Patientinnen und Patienten, die von einer medikamentösen Therapie und Verödungstherapie nicht mehr profitieren, ist diese neuartige Behandlung eine hervorragende Alternative.“
„Die Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt, aber noch nicht der Endpunkt der Entwicklung“, sagt Prof. Dr. David Krug, Direktor der Klinik für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel. „Wir wollen besser verstehen, welche Patientengruppen besonders profitieren, wie dauerhaft der Effekt ist und wie sich die Behandlung langfristig auf Sicherheit und Krankheitsverlauf auswirkt.“
„Diese Daten eröffnen uns eine neue Perspektive. Unsere Forschung zielt darauf, den Weg von der Diagnostik bis zur Therapie vollständig nicht-invasiv und präziser zu gestalten und die Behandlung so künftig mehr Betroffenen zugänglich zu machen“, sagt Dr. Evgeny Lian, Bereichsleiter Elektrophysiologie der Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Campus Kiel.
Studie läuft weiter
Das STOPSTORM-Konsortium soll Auswahl, Zieldefinition, Behandlungsabläufe und Auswertung der Ergebnisse europaweit besser vereinheitlichen. In dem Register sind bereits mehr als 350 retrospektive und prospektive Fälle erfasst. Die Rekrutierung und die Nachbeobachtung laufen weiter. STOPSTORM (www.stopstorm.eu) wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 945119 mit 7,16 Millionen Euro gefördert (https://cordis.europa.eu/project/id/945119).
Originalpublikation:
van der Pol LHG, Tomasik B, Hoeksema WF, et al. Stereotactic arrhythmia radioablation for refractory ventricular tachycardia: the STOPSTORM.eu study. Eur Heart J. 2026 Apr 20:ehag338. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag338
Weitere Informationen:
www.uksh.de/221206_stopstorm_register.html und www.uksh.de/220613_pi_raventa.html sowie www.stopstorm.eu .
Animation:
In dieser Animation erfahren Sie mehr über die STAR-Behandlung: https://youtu.be/lfrPWiCh-G4
Quelle: Pressemitteilung Krankenhaus



