Neue Hoffnung bei schwerer Herzschwäche: Herzpflaster zeigt klinische Wirkung
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[Mitglieder-Bericht 078/2026, Lübeck, Freitag, 29.05.2026]

Forschenden des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist ein wichtiger Fortschritt bei der Behandlung schwerer Herzschwäche gelungen: Erstmals konnte in einer klinischen Studie gezeigt werden, dass im Labor gezüchtetes Herzmuskelgewebe die Pumpfunktion geschädigter Herzen verbessern kann. Patientinnen und Patienten, die als Probanden an der Studie teilnahmen, sprechen von einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität.
Eine schwere Herzschwäche entsteht häufig infolge eines Herzinfarktes, bislang blieben trotz moderner Medikamente oft nur Herztransplantationen oder mechanische Herzunterstützungssysteme als letzte Behandlungsmöglichkeiten – beides schwere chirurgische Eingriffe mit hohem Risiko. Der Einsatz eines so genannten Herzpflasters ist deutlich weniger invasiv und zeigte in der Studie mit 20 Patientinnen und Patienten nun signifikante Behandlungserfolge.
Bei einem Herzpflaster werden im Labor Stammzellen genutzt, um daraus schlagendes Herzgewebe zu züchten. Das Herzpflaster wird dann auf die Außenseite des geschädigten Herzens genäht, um dort eine neue Herzmuskelschicht zu bilden. Diese soll die geschwächte Herzmuskulatur stabilisieren und langfristig unterstützen.
(1) Vorbereitung des Herzpflasters für die Operation. (Foto: UKSH) (2) Das Herzpflaster wird aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnenen Herzmuskel- und Bindegewebszellen in einem Kollagen-Hydrogel hergestellt. (Grafik: umg/eva meyer-besting)
In der ersten Phase der Studie wurde die höchstmögliche Dosis von 800 Millionen Herzzellen identifiziert, die sicher transplantiert werden kann. Jetzt zeigt die Auswertung der ersten 16 Personen, die die höchste sichere Dosis erhalten hatten, dass drei Monate nach der Behandlung eine Verdickung der geschädigten Herzwand eintrat. Zudem verbesserte sich die Pumpfunktion des Herzens, und die Patientinnen und Patienten berichteten über eine bessere Lebensqualität. Auch in der mittlerweile mehr als vierjährigen Nachbeobachtung der behandelten Patienten zeigten sich erste Hinweise auf eine anhaltende Verbesserung der Herzfunktion.
„Nach vielen Jahren der Forschung konnten wir jetzt erstmals zeigen, dass sich aus Stammzellen gezüchtetes Herzmuskelgewebe sicher bei Patienten einsetzen lässt“, sagte der chirurgische Studienleiter Prof. Dr. Stephan Ensminger, einer der Leiter des Universitären Herzzentrums Lübeck am UKSH und Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am UKSH, Campus Lübeck.
Bereits vor zwei Jahren haben UMG und UKSH erfolgreich die vorklinischen Daten zum "Herzpflaster" publiziert. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse gehen deutlich darüber hinaus: Nun liegen erstmals systematische klinische Daten aus einer größeren Patientengruppe vor.
Proband Mario R. bekam Herzplaster am UKSH Lübeck
Ein Patient aus der Kohorte ist der 56jährige Mario Reschke, dem am UKSH, Campus Lübeck, das Herzpflaster eingesetzt wurde. Er erlitt vor siebzehneinhalb Jahren einen Herzinfarkt, seine Herzleistung blieb anschließend trotz Reha, Medikamenten und dem Einsatz eines Defibrillators äußerst schwach und lag bei 20 bis 22 Prozent. „Der Einschnitt war sehr gravierend und meine Lebensqualität erheblich geschmälert. Insgesamt viermal musste mich der eingesetzte Defibrillator ins Leben zurückholen“, sagt Reschke.
Die mehrstündige Operation für das Einsetzen des Herzpflasters hat Reschke gut überstanden, nach rund zwei Wochen im Herzzentrum des UKSH am Campus Lübeck konnte er wieder nach Hause. Seine Herzleistung ist mittlerweile angestiegen. „Ich habe gemerkt, dass es mit meiner Leistungsfähigkeit rapide bergab ging. Als ich dann im vergangenen Jahr von der Möglichkeit des Herzpflasters gehört habe, war dies ein Hoffnungsträger, den ich sofort ergriffen habe. Jetzt, knapp sechs Monate nach der Operation, habe ich wieder Lebensqualität und Lichtblicke in alltäglichen Momenten, was mich positiv nach vorn schauen lässt.“
Über die Studie
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Studie ist Teil eines Forschungsprogramms des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Unterstützt wird die Entwicklung zudem durch das Göttinger Biotechnologieunternehmen Repairon GmbH.
Der Studie gingen mehr als 25 Jahre Forschungsarbeit voraus. Sie erfolgte gemeinsam von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Universitäres Herzzentrum Lübeck, unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der UMG, und der chirurgischen Leitung von Prof. Dr. Stephan Ensminger, einer der Leiter des Universitären Herzzentrum Lübeck des UKSH und Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie.
Originalpublikation
Zimmermann W-H, Ensminger S, Kutschka I, et al. Stem-Cell–Derived Biologic Ventricular Assist Tissue in Heart Failure. New England Journal of Medicine (2026). DOI: 10.1056/NEJMoa2513525
Quelle: Pressemitteilung Krankenhaus






