Kliniken in existenzieller Krise

[KGSH-Pressemitteilung 005/2022 - Kiel, 27.09.2022]




Alarmstufe ROT: Krankenhäuser in Gefahr


Durch die extremen Preissteigerungen geraten viele Krankenhäuser in Schleswig-Holstein zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten, denn sie können die gestiegenen Preise im bestehenden Finanzierungssystem nicht an die Krankenkassen weitergeben. Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) fordert daher gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) einen sofortigen Inflationsausgleich. Hohe Preise, Energiekrise und mögliche neue Corona-Wellen werden die Krankenhäuser in bisher unvorstellbarem Maße herausfordern und ohne sofortiges Eingreifen der Politik vor unlösbare Probleme stellen.


„Wir benötigen jetzt so schnell wie möglich einen Inflationsausgleich und das Wiederanlaufen der Corona-Hilfen. Die Krankenhäuser dürfen mit den gestiegenen Kosten nicht weiter allein gelassen werden. Die meisten Häuser sind gezwungen, mehr auszugeben als sie einnehmen. Während Unternehmen in der freien Wirtschaft Kostensteigerungen weitergeben können, bleiben die Kliniken infolge eines starren Finanzierungssystems auf immensen Kosten sitzen“, sagte Heiko Naß, Vorsitzender der KGSH, in der heutigen Pressekonferenz in Kiel. Schon bei kleineren Krankenhäusern liegt die zusätzliche Kostenbelastung absehbar im siebenstelligen Bereich.


In der Konsequenz bliebe den Kliniken nur die Möglichkeit, sich auftürmende Verluste durch Personalabbau zu begrenzen. Damit gehen dann in der Regel auch Bettensperrungen und schlimmstenfalls sogar Standortschließungen einher. Die Lücken in der Versorgung werden im Herbst und im kommenden Jahr für die Menschen auch hier bei uns in Schleswig-Holstein spürbar werden. Daher muss aus Sicht der KGSH ein kurzfristiger Inflations- und Energiekostenausgleich erfolgen. „Die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein erwarten hier von der Bundesregierung ein sofortiges Handeln“, betonte Naß.


Auch mit Blick auf die aktuelle und für Herbst prognostizierte Coronalage sind die Aussichten düster. „Ende Juni sind alle Corona-Hilfen des Bundes für die Krankenhäuser ausgelaufen. Es gibt derzeit keinen einzigen Euro um den Mehraufwand für Hygiene, Isolierung und Behandlung zu refinanzieren. Der verantwortliche Bundesminister Karl Lauterbach talkt und twittert über die verheerenden Auswirkungen von Corona und lässt gleichzeitig die Krankenhäuser im Regen stehen. So wird er seiner Verantwortung für eine stabile Gesundheitsversorgung nicht gerecht“, kritisierte Patrick Reimund, Geschäftsführer der KGSH. Mehr als zwei Jahre Pandemie haben die Krankenhäuser bereits wirtschaftlich und personell extrem herausgefordert. Für Herbst und Winter ist eine weitere Infektionswelle zu befürchten, die die Krankenhäuser wieder verstärkt fordern wird. Zu all diesen Herausforderungen kommt nun noch die Inflation hinzu, verschärft durch noch einmal besonders stark gestiegene Energiepreise, die die sehr energieintensiven Krankenhäuser besonders treffen.


„Wir müssen feststellen, dass der Bundesgesundheitsminister seit Amtsantritt mit seiner Politik die berechtigten Anliegen der Krankenhäuser, ihrer Beschäftigten und letztendlich auch der Patienten ignoriert. Die Folgen dieser Politik werden über kurz oder lang für uns alle spürbar werden“, sind sich Naß und Reimund einig. Beide haben daher eine klare Forderung an die Regierung in Berlin: „Wir brauchen dringend einen Inflationsausgleich in Form eines Rechnungsaufschlags von mindestens 4 %.“



 

Ulrike Petersen

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