„Kein Täter werden in Schleswig-Holstein“ – Start der Kampagne 2026
[Mitglieder-Bericht 121/2026, Kiel, Dienstag, 22.09.2026]
Öffentliche Veranstaltung am 23. September mit Gesundheitsministerin Prof. Dr. Kerstin von der Decken
Mit Unterstützung des schleswig-holsteinischen Justiz- und Gesundheitsministeriums startet das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, erneut eine Informationskampagne gegen sexuelle Gewalt an Kindern. Ziel ist es, das Behandlungsangebot des Projekts "Kein Täter werden" in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen und Menschen zu erreichen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, bevor diese Menschen straffällig werden. Das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) am UKSH ruft mit der Kampagne dazu auf, das Präventionsangebot frühzeitig zu nutzen, um so einen wirksamen Beitrag zum Kinderschutz zu leisten.
Die crossmediale Kampagne setzt auf Großflächenplakate sowie animierte Werbedisplays in der Landeshauptstadt Kiel, daneben werden auch Videoclips in den sozialen Medien ausgespielt. Ziel ist es, Menschen mit pädophilen Neigungen zu erreichen, bevor sie eine Straftat begehen, und damit Übergriffe auf Kinder zu verhindern. Das UKSH bietet dafür Zugang zu professioneller Hilfe und Präventionsmaßnahmen. Straffällig gewordene Pädophile können in diesem Programm nicht behandelt werden, erhalten aber Hilfsangebote durch die tätertherapeutischen Programme des Instituts für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des ZIP.
Das Angebot der Präventionsambulanzen ermöglicht es Betroffenen, anonym und kostenfrei an einer sexualmedizinisch-sexualtherapeutischen Diagnostik, Beratung und Therapie teilzunehmen. Das Land Schleswig-Holstein fördert die diesjährige Informationskampagne dazu mit rund 75.000 Euro.
"Seit dem Jahr 2019 finanziert das Justizministerium diese Öffentlichkeitskampagne. In erster Linie wollen wir Menschen erreichen, die nach Wegen suchen, mit ihrer pädophilen Sexualpräferenz umzugehen, ohne sie auszuleben und Kindern zu schaden. Doch die Kampagne soll auch dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft lernen, mit diesem Thema umzugehen und zu wissen, was Pädophilie ist und was sie nicht ist. Wir müssen der Öffentlichkeit verdeutlichen, dass Pädophilie und sexueller Missbrauch nicht gleichzusetzen sind. Uns geht es darum, dass Menschen nicht auf ihre sexuelle Präferenz reduziert werden. Wenn jemand den Mut fasst, sich anzuvertrauen, dann müssen wir zuhören und ihn darin bestärken. Auch das ist Prävention. Auch das ist Kinderschutz", betont Justiz- und Gesundheitsministerin Prof. Dr. Kerstin von der Decken.
Keine Heilung, aber Kontrolle
Nach Schätzungen fühlen sich in Schleswig-Holstein etwa 7.000 Personen sexuell zu Kindern hingezogen. Diese Präferenz wird als „Pädophilie“ bezeichnet und führt zur pädophilen Störung, wenn die Betroffenen darunter leiden oder durch sexuelle Übergriffe auf Kinder Leid verursachen. Pädophilie kann nicht behoben oder geheilt, aber kontrolliert werden.
2005 wurde in Berlin das Projekt „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld“ gestartet. Danach wurden an mehreren Orten in Deutschland ähnliche Therapiezentren eröffnet, die sich 2011 zu dem Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ zusammengeschlossen haben. Der Kieler Standort ist 2009 eröffnet worden und gehört zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks. Mittlerweile ist an zwölf Standorten professionelle Hilfe für Personen mit pädophilen Neigungen verfügbar – freiwillig, unter Schweigepflicht und seit 2018 als Gesundheitsleistung von der Krankenkasse finanziert.
2025 haben 200 Personen Kontakt zu „Kein Täter werden“ im ZIP am Campus Kiel aufgenommen. Aktuell werden 46 Personen betreut, davon erhalten 31 Personen eine Therapie, elf Personen eine Nachsorge, vier Personen nutzen das Angebot für Gespräche nach Bedarf. Zehn Therapien konnten im vergangenen Jahr beendet werden.
Mehr Infos zum Angebot: www.kein-taeter-werden.sh
Film und Vorträge
Die Kampagne 2026 wird bei einer Veranstaltung am 23. September in Kiel offiziell gestartet. Alle Interessierten sind eingeladen, die Teilnahme ist kostenfrei. Ministerin Prof. Kerstin von der Decken wird ein Grußwort halten, wissenschaftliche Vorträge zum Thema, der Film „Feuerspiel“ und ein anschließender Austausch mit der Regisseurin stehen ebenfalls auf dem Programm.
Termin
Symposium und Kampagnenstart 2026 „Kein Täter werden“
23. September 2026, 12-17 Uhr
Seeburg, Düsternbrooker Weg 2, Kiel
Quelle: Pressemitteilung Krankenhaus



