Pilotprojekt: Schnelltests an Grundschulen

[Mitglieder-Bericht 007/2021 - Itzehoe, Donnerstag 04.03.2021


Dr. Georg Hillebrand und Dr. Catrin Tzaribachev zeigen Jonah, wie der Test funktioniert
Dr. Georg Hillebrand und Dr. Catrin Tzaribachev zeigen Jonah, wie der Test funktioniert

Kinderleichter Test für mehr Sicherheit


Das dünne Wattestäbchen ein bisschen vorne in den Nasenlöchern hin und her drehen, es dann in ein kleines Röhrchen mit Flüssigkeit geben, ein paar Tropfen der „Popel-Suppe“ auf das Testfeld eines kleines Kärtchens geben – und nach 15 Minuten Warten steht fest: negativ. Bei Jonah (10) ist – genau wie bei allen seinen Mitschülern in den beiden vierten Klassen der Heiligenstedtener Juliankaschule – beim „Popel-Test“ heute kein Coronavirus nachweisbar. Zufrieden packen die Jungen und Mädchen ihre Testkärtchen ein und gehen zurück ins Klassenzimmer. Unangenehm oder gar schmerzhaft fanden sie den Antigen-Schnelltest nicht. „Es kitzelt nur“, sagt Jonah.


Die Heiligenstedtener Schule ist Pilotschule. Wenn sich die Teststrategie bewährt, soll sie auf die anderen Schulen im Kreis ausgeweitet werden – vielleicht bald auch schon mit noch einfacheren Varianten wie Spuck-Tests oder „Lolli-Tests“ zum Kauen, insbesondere für die jüngeren Schüler in den ersten und zweiten Klassen. „Es ist viel Bewegung in dem Thema“, sagt Dr. Georg Hillebrand, Chefarzt der Kinderklinik im Klinikum Itzehoe. Gemeinsam mit Dr. Catrin Tzaribachev, Kinderärztin im Gesundheitsamt, hat er das Pilotprojekt angestoßen. „Kinder haben nur ein geringes Risiko für schwere Krankheitsverläufe und zeigen oft kaum Symptome. Sie können aber das Virus trotzdem weitergeben“, erklärt Hillebrand. Schnelltests seien zwar nur eine Momentaufnahme. Aber durch die regelmäßige Durchführung könnten ansteckende Personen schnell erkannt und die weitere Ausbreitung so verhindert werden.


„Wenn auf dem Kärtchen zwei Striche erscheinen, heißt das, dass ihr ansteckend sein könntet. Dann müsst ihr mit eurem Lehrer sprechen“, erklärt Hillebrand den Kindern. „Das Gesundheitsamt bespricht dann mit euch und euren Eltern, was weiter zu tun ist. Ganz wichtig ist aber, dass ihr keine Angst haben müsst.“ Weil Tests manchmal aber auch falsche Ergebnisse anzeigen können, sei es wichtig, trotzdem die Hygieneregeln weiter zu befolgen und Masken zu tragen.


Die Tests seien eine Möglichkeit, um „nicht in der Lockdown-Schleife festzuhängen“, sagt Catrin Tzaribachev. Idealerweise werde zweimal pro Woche getestet, aber auch einmal pro Woche sei schon ein guter Schritt, um größere Ausbruchgeschehen zu verhindern und die Pandemie einzudämmen – und damit letztlich auch zu ermöglichen, dass Schulen geöffnet bleiben können.


Bei Landrat Torsten Wendt haben die beiden Kinderärzte mit ihrer Idee offene Türen eingerannt. Der Kreis habe fast durchgehend niedrige Inzidenzwerte gehabt, weil immer schnell getestet wurde. Schulen und in Kindertagesstätten zählten neben Pflegeheimen zu den Orten, an denen es im vergangenen Jahr Ausbruchgeschehen gegeben habe. „Wir möchten alle möglichst schnell zu normalen Verhältnissen zurück und wollen, dass die Schulen offen bleiben. Das geht nur, wenn wir lokale Ausbruchgeschehen schnell eindämmen können“, so Wendt. Die Schnelltests, die für die Startphase vom Klinikum Itzehoe zur Verfügung gestellt werden, seien durch ihre einfache Anwendbarkeit und das rasche Ergebnis ein gutes Mittel dafür.


Und auch die meisten Eltern stehen der Test-Strategie aufgeschlossen gegenüber. „Für mich als Mutter ist es okay, dass die Tests gemacht werden. Ich finde es gut, dass das ganze Corona-Thema für die Kinder so ein bisschen greifbarer wird und sie spielerisch herangeführt werden“, sagt Elternvertreterin Jacqueline Schwertfeger, Jonahs Mutter. „Außerdem gibt das regelmäßige Testen einem auch in der Familie eine gewisse Sicherheit, da Kinder im Falle einer Infektion ja oft ohne Symptome sind, aber die Viren übertragen können.“


Quelle: Pressemitteilung Krankenhaus