Familiärer Brust- und Eierstockkrebs – neues Zentrum am Campus Lübeck

[Mitglieder-Bericht 013/2022 - Lübeck/Kiel, 02. Mai 2022]

 


Teams des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs am Campus Kiel (l.) /  Campus Lübeck (r.) (Bild: UKSH)
Teams des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs am Campus Kiel (l.) / Campus Lübeck (r.) (Bilder: UKSH)

DKG-Zertifizierung des Zentrums am Campus Kiel


Die Entstehung von Brust- und Eierstockkrebs hat viele Ursachen – eine davon kann eine genetische Veränderung sein. Sie findet sich oft in Familien, in denen die Erkrankungen gehäuft oder in jungem Alter auftreten. Das Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) hat sein Beratungs- und Betreuungsangebot für Frauen und Männer mit erhöhtem Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erweitert: Neben dem etablierten Zentrum am Campus Kiel ist ein neues Zentrum am Campus Lübeck eingerichtet worden. Beide Zentren unter der Leitung der Gynäkologinnen PD Dr. Marion Tina van Mackelenbergh (Kiel) und PD Dr. Maggie Banys-Paluchowski (Lübeck) und unter dem Dach des campusübergreifenden Universitären Cancer Centers Schleswig-Holsteins (UCCSH) arbeiten eng und interdisziplinär zusammen. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) belegt zudem die Expertise für erblichen Brust- und Eierstockkrebs am UKSH mit der Zertifizierung des Zentrums am Campus Kiel. Dabei hob das Auditteam besonders das große personelle Engagement und den Sachverstand der Expertinnen und Experten hervor. Das Zentrum biete für Ratsuchende einen in vieler Hinsicht optimalen Behandlungspfad, hieß es.


„Wir sind stolz auf die Bestätigung unserer exzellenten Versorgungsstruktur in Kiel und freuen uns, dass wir die umfassende Beratung, Diagnostik, Behandlung und Nachsorge nun auch Betroffenen in der Lübecker Region wohnortnah anbieten können“, sagt Prof. Dr. Norbert Arnold, Sprecher für beide Standorte des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs des UKSH. Bislang befand sich am Campus Kiel das einzige derartige Zentrum in Schleswig-Holstein – mit Kooperationen mit Brustzentren in Eutin und Heide.


Voraussetzung für eine Anmeldung in den Tumorrisiko-Sprechstunden der Zentren ist das Vorliegen mindestens eines der Risikokriterien, die das Deutsche Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs aufgestellt hat. Die Kriterien, die für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko sprechen, beziehen sich auf die Häufigkeit der Krebserkrankungen in der Familie und das jeweilige Alter bei der Diagnose. In den Tumorrisiko-Sprechstunden an beiden Campi erstellen Spezialistinnen und Spezialisten der Humangenetik, Gynäkologie und Psychologie zusammen mit den Ratsuchenden einen Stammbaum und informieren über Vererbungswahrscheinlichkeiten und eine genetische Untersuchung. Erfolgt ein Gentest, besprechen die Fachleute in einem interdisziplinären Board jeden individuellen Fall und empfehlen weitere Maßnahmen: Dazu gehört die Teilnahme am intensivierten Früherkennungs- und Nachsorgeprogramm mit regelmäßiger Ultraschalluntersuchung, Mammografie und Kernspintomografie wie auch prophylaktische Operationen an Brustdrüse und Eierstöcken. „Bei konsequenter Durchführung aller empfohlenen Früherkennungsmaßnahmen werden etwa 90 Prozent aller neu auftretenden Tumoren in gut behandelbaren Frühstadien entdeckt. Durch vorbeugende Operationen kann das Erkrankungsrisiko unter Umständen sogar unter das Durchschnittsrisiko gesenkt werden“, sagt PD Dr. van Mackelenbergh.


Rund 250 bis 300 Ratsuchende und ihre Familien werden pro Jahr am Campus Kiel betreut – am Campus Lübeck wird die gleiche Anzahl erwartet. Bislang sind Veränderungen in elf sogenannten Kerngenen bekannt, die an der Krankheitsentstehung beteiligt sind, am häufigsten Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2. „In 10 bis 20 Prozent der untersuchten Fälle entdecken wir eine verursachende genetische Veränderung. Wir gehen jedoch davon aus, dass es viele weitere Mutationen gibt, die noch unbekannt sind“, sagt PD Dr. Banys-Paluchowski.


In Deutschland erkrankt jede achte bis zehnte Frau an Brustkrebs. Von den jährlich ca. 50.000 Neuerkrankungen entstehen ca. 5.000 aufgrund einer erblichen Veranlagung. Wer einen solchen Gendefekt geerbt hat, muss nicht zwangsweise auch erkranken. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Krebsdiagnose gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht. Neben Brustkrebs tritt in den Familien mit erblicher Veranlagung gehäuft Eierstockkrebs bzw. bei Männern Prostatakrebs auf. Voraussetzung für einen aussagekräftigen Gentest ist in der Regel, dass ein erkranktes Familienmitglied eine Blutprobe zur Verfügung stellt.


Weitere Informationen finden sich auf den Seiten der Zentren



Für Rückfragen von Journalistinnen und Journalisten stehen zur Verfügung:


Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs Prof. Dr. Norbert Arnold, Sprecher (campusübergreifend) Tel.: 0431 500-21650 Mail: norbert.arnold@uksh.de


Campus Kiel PD Dr. Marion Tina van Mackelenbergh Leiterin des Zentrums Tel.: 0431 500-21410

Mail: mariontina.vanmackelenbergh@uksh.de


Campus Lübeck PD Dr. Maggie Banys-Paluchowski Leiterin des Zentrums Tel.: 0451 500-41700 Mail: maggie.banys-paluchowski@uksh.de


Quelle: Pressemitteilung Krankenhaus